Frauen-Union: Schon jetzt an die Zeit nach Corona denken!

Sara Steinhardt, Vorsitzende der Frankfurter Frauen-Union
Sara Steinhardt, Vorsitzende der Frankfurter Frauen-Union
Frankfurt am Main, 25. Januar 2021 - Schon jetzt an die Zukunft und an die Zeit nach Corona denken – das forderte heute in Frankfurt auf einer Online-Konferenz des Vorstandes Sara Steinhardt, Vorsitzende der Frauen Union Frankfurt.

Der Vorstand begrüßte, dass von nun an noch strengere Home-Office-Regelungen gelten, denn die Überwindung der Pandemie sei zunächst das oberste Ziel. Das Home-Office, das sich als Retter in der Not bewährte, weil es berufliche Arbeit, finanzielle Sicherheit und Kinderbetreuung verbunden habe, könne jedoch nicht das alleinige Modell der Zukunft sein. „Spätestens nach der Pandemie müssen betriebliche Abläufe, kollegiale Interaktionen, berufliche Fort- und Weiterbildung wieder lebendig werden. Vor allem in direkter Kommunikation und der Wahrnehmung von anderen Menschen kann leistungsorientiert gearbeitet und gestaltet werden“, so Sara Steinhardt. Wer weiterhin im Home-Office arbeiten möchte, dem sollte dies vom Arbeitgeber ermöglicht werden. Hierbei sollte aber im Einzelfall geprüft werden, ob Home-Office oder die durch das Telearbeitsgesetz geregelte Telearbeit nicht besser geeignet ist.

Zur Telearbeit gehört ein separater Arbeitsplatz zuhause, der vom Arbeitgeber ausgestattet und auf Ergonomie und Arbeitsschutz überprüft wird. Mobile Arbeit bzw. Home-Office ist in der Regel nur eine Vereinbarung, dass man ab und an von unterwegs oder zu Hause aus arbeiten kann. Hierbei ist aber nicht definiert, wie die Rahmenumstände sind und somit müssen Arbeitnehmer im Home-Office oft ihre privaten Geräte nutzen. Trotz allem ist das Home-Office natürlich in der gegenwärtigen Situation eine gute Lösung.

Wer aber nicht weiter im Home-Office arbeiten wolle, der müsse die Möglichkeit dazu haben, bald wieder zur Normalität zurückzukehren, wo dies möglich sei. Die Frauen Union befürchtet, dass diese Sicht sonst an den Frauen vorbeigehen könnte, sie reduziert würden auf das HomeOffice mit Haushalt. „Wir brauchen keine Retraditionalisierung – Frauen wollen wie andere Arbeitnehmer auch Teil haben an allen Bereichen des Arbeitslebens, dazu gehörten vor allem auch betriebliche Förderung und beruflicher Aufstieg“, erläuterte Steinhardt.

Die Reduzierung der Frau auf Mutter und Hausfrau, die nebenbei noch ein paar Stunden Home-Office mache, werde dem Engagement und den beruflichen Kenntnissen der Mehrzahl der Frauen nicht gerecht. Die Frauen Union stellt fest, dass Mütter während den Schul- und KitaSchließungen oft in geringerem Stundenumfang weiter Erwerbsarbeit leisteten als Väter; manche gaben ihre berufliche Tätigkeit im Frühjahr sogar ganz auf – dies dürfe 2021 nicht wieder passieren, egal wie lange der Lockdown dauere. „In den meisten Familien übernehmen Frauen die Aufgabe der ‚Ersatzlehrerin‘ im improvisierten Home-Schooling. Dies darf aber nicht dazu führen, dass gut ausgebildete Frauen im Beruf automatisch kürzertreten müssen. Zusätzliche Belastungen sollten Paare paritätisch unter sich aufteilen und dabei auch Unterstützung vom Arbeitgeber erfahren“ sagt Sara Steinhardt.

Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei daher eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, denn Familienpolitik sei immer auch Wirtschaftspolitik. Spätestens nach Überwindung der Pandemie müsse daher die Arbeitsverteilung in Berufund Privatleben auf den Prüfstand. Die Frauen Union Frankfurt fordert deswegen Arbeitgeber auf, aktiv zu werden. Frauen dürften nun nicht für ein paar Stunden ins Home-Office mit negativen Folgen für Jobsicherheit, Karriere und Altersvorsorge abgeschoben werden, sondern es muss auf ihre spezifischen Situationen und Bedarfe eingegangen werden.

Durch Übernahme von Care-Arbeit zuhause sollten Frauen nicht beruflich zurückfallen und die erzwungene Abwesenheit vom Arbeitsplatz dürfe sich durch mangelnde ‚Sichtbarkeit‘ nicht negativ auf Karrierechancen auswirken. Das Home-Office brauche zudem ein Recht auf Präsenztage, damit Frauen mit ihren Kollegen in Kontakt bleiben, sich beraten können und teilhaben an Entwicklungen im Betrieb. „Wo Frauen dies wünschen, sollte Home-Office auch nach der Pandemie großzügig ermöglicht werden – aber auch das Gegenteil und damit die uneingeschränkte Rückkehr an den Arbeitsplatz muss möglich sein“, so Steinhardt abschließend.

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