Frauen-Union-Kreisvorsitzende Sylvia Hornung fordert konsequente Bekämpfung: Häufigste Verletzungsursache bei Frauen

Häusliche Gewalt in Frankfurt kein Einzelschicksal - Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November – Aktion „Rote Karte“

Sylvia Hornung, Kreisvorsitzende der Frankfurter Frauen-Union
Sylvia Hornung, Kreisvorsitzende der Frankfurter Frauen-Union
Frankfurt am Main, 25. November 2013. In Frankfurt am Main sind 2012 insgesamt 1.290 Fälle häuslicher Gewalt erfasst worden. Hierauf macht die Vorsitzende der Frankfurter Frauen-Union, Sylvia Hornung, zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November aufmerksam.

„Diese Zahlen des Polizeipräsidiums Frankfurt belegen, dass auch in unserer Region häusliche Gewalt kein Einzelschicksal ist. Opfer der häuslichen Gewalt sind insbesondere Frauen, die vom Ehemann, Freund oder Lebenspartner misshandelt werden, und direkt oder indirekt auch deren Kinder, die diese Gewalt miterleben müssen.“ Jeder einzelne Fall zeige, dass alle Anstrengungen der Prävention und für ein entschiedenes Vorgehen gegen häusliche Gewalt mehr als berechtigt seien und intensiv fortgesetzt werden müssten.

 

„Häusliche Gewalt kommt in allen Gesellschaftsschichten vor und ist die häufigste Ursache von Verletzung bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle oder Vergewaltigungen zusammen“, erklärte die Kreisvorsitzende. Rund 25 Prozent aller Frauen hierzulande hätten bereits Formen körperlicher oder sexueller Gewalt oder beides erlebt. Es sei davon auszugehen, dass es weiterhin eine hohe Dunkelziffer in diesem Bereich gebe. „Deshalb ist es ganz entscheidend, betroffene Frauen zu ermutigen, häusliche Gewalt zur Anzeige zu bringen und den Teufelskreis des Schweigens zu durchbrechen.“

Viele betroffene Frauen schwiegen aus Scham oder suchten zum Teil die Schuld sogar bei sich selbst. Hinzu komme die Angst, nach einer Anzeige plötzlich allein da zu stehen, ohne Geld und Wohnung. Landesweit ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt wieder leicht gestiegen, nachdem im Vorjahr erstmals seit Beginn der Registrierung dieser Delikte ein Rückgang verzeichnet werden konnte. 2012 wurden in Hessen 7.624 Fälle häuslicher Gewalt erfasst, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik ausweist. 2011 waren es 7.562 Fälle, 2010 noch 7.764. „Nach einem deutlichen Rückgang 2011 bedeutet dies einen leichten Anstieg um 62 Fälle oder 0,8 Prozent“, so Hornung. In den Jahren 2002 bis 2012 wurden insgesamt 76.361 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Häusliche Gewalt umfasse neben Körperverletzungsdelikten, die 2012 mit 5.747 Fällen wie in den Jahren zuvor den größten Anteil darstellten, auch Straftaten gegen das Leben, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung.
 

Die Zahl der Stalking-Fälle ist dagegen weiter rückläufig. 2012 wurden 1.399 Fälle registriert, 88 weniger als im Vorjahr. 2010 waren es noch 1.783 Fälle. „Am häufigsten werden Frauen nach einer Trennung oder Scheidung angegriffen. Jede vierte Betroffene berichtet von Nachstellungen, Androhungen von Gewalt oder Gewalt durch den Ex-Partner“, erläuterte die Kreisvorsitzende. Hessen verfüge über ein ausdifferenziertes Netz an Unterstützungseinrichtungen. In den Frauenhäusern und bei den Interventions- und Frauenberatungsstellen fänden Opfer Gehör, Rat und Hilfe. Das Land unterstütze Einrichtungen und Maßnahmen mit rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr finanziell. Als Anlaufstelle steht darüber hinaus rund um die Uhr das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frau“ unter der Nummer 08000 – 116 016 zur Verfügung. Qualifizierte Beraterinnen bieten kompetente Erstberatung an und vermitteln zur weiteren Betreuung an Unterstützungs-einrichtungen vor Ort.
 

Informationen über die Hilfsangebote enthält die „Rote Karte gegen Gewalt an Frauen“, die in den hessischen Apotheken verteilt wird. Die Aktion des Hessischen Apothekerverbandes und der Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros wurde letzte Woche gestartet und wird vom Sozialministerium unterstützt. Hornung lobte die Zusammenarbeit zwischen der Polizei, den Gerichten und der Gesundheitsversorgung mit den regional und landesweit agierenden Institutionen, die Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten für Opfer und Täter häuslicher Gewalt anbieten. Auch das Gewaltschutzgesetz, das nunmehr seit elf Jahren in Kraft sei, werde in Hessen konsequent umgesetzt und habe sich zum Schutz vor und bei häuslicher Gewalt bewährt.

Mit dem zweiten Landesaktionsplan gegen Gewalt stehe Hessen dafür ein, Maßnahmen gegen häusliche Gewalt dauerhaft zu erhalten und zu etablieren, eine fachkundige Versorgung Betroffener zu gewährleisten und insbesondere die Prävention und die Vernetzung der mit dem Thema betrauten Berufsgruppen weiter auszubauen. Der Aktionsplan habe auch zum Ziel, das Beratungs- und Schutzangebot für Mädchen und Frauen mit Behinderung weiter zu verbessern.

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