Ehinger: Duale berufliche Ausbildung in Deutschland ist Vorbild für Europa

Diskussionsverantaltung der Frankfurter Senioren-Union

Bernd Ehinger
Bernd Ehinger
Frankfurt am Main, 15. September 2014 - Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger trat in seiner Rede bei der Frankfurter Senioren-Union der CDU leidenschaftlich für das im deutschen Handwerk praktizierte duale berufliche Ausbildungssystem ein und bezeichnete es als Vorbild für Europa.

Gleichzeitig sprach er sich gegen eine allgemeine Akademisierung der Berufsausbildung aus, wie sie in den südeuropäischen Ländern und Frankreich bestehe. „Wenn die OECD, wie zuletzt in dem Bericht „Bildung auf einen Blick 2014“ kritisiert, dass in Deutschland nur 28 Prozent der Erwachsenen einen akademischen Abschluss haben, muss man doch fragen, warum Deutschland in der EU mit 7,8 Prozent die weitaus geringste Jugendarbeitslosigkeit hat, während diese in Ländern wie Italien 43, Spanien 53, Frankreich 22,5 Prozent beträgt“, sagte Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und des hessischen Handwerks.

„Wo Ausbildung verschult wird, fehlt die Praxis, die zu einer Einstellung führt“, fügte er hinzu. Ein Betrieb, der selber ausbilde, sei immer auch interessiert, seine ausgebildeten jungen Leute zu übernehmen und zu halten.

 

Ob eine akademisch geschulte Krankenschwester besser pflegen und schmerzloser eine Spritze setzen könne als eine, die an einer Krankenpflegeschule in Verbindung mit einem Krankenhaus patientennah ausgebildet wurde, sei die Frage. Entsprechendes gelte für Automechaniker, für die es nicht genüge, Motoren aus technischen Zeichnungen in Power-Point- Präsentation zu kennen. EinAuszubildender lerne am besten unter Anleitung eines Meisters, bei der konkreten Arbeit an Motoren und durch einen vertiefenden und allgemeinbildenden Unterricht in der Berufsschule. Ehinger wies darauf hin, dass 35 Prozent der Studierenden an den überfüllten deutschen Hochschulen ihr Studium abbrechen und viele davon in Berufen ohne Ausbildung tätig werden und entsprechend wenig verdienten. „Volle Hörsäle führen in die Sackgasse“, so Ehinger.

Es sei wichtig, dass Jugendliche, auch Abiturienten, sich klarmachen, wo ihre Stärken liegen und was sie eigentlich wollen. Wer sich in einer Universität einschreibe, ohne zu wissen, was er eigentlich will, der müsse scheitern. Das Handwerk biete in rund 120 Ausbildungsberufen gute Chancen für ein erfolgreiches berufliches Leben. Hinzu komme, dass die Ausbildung in einem Handwerk vergütet werde.
 

Die Gesellschaft profitiere davon, dass das Handwerk einen Großteil der Ausbildungskosten selber trage. Ausdrücklich wies Ehinger auf die Qualifikation zum Meister hin, die dem akademischen Bachelor entspreche, eine gut bezahlte Karriere verheiße und zugleich ein Qualität sicherndes Merkmal des Handwerks in Deutschland sei. Er wehrte sich gegen Bestrebungen in der EU, die von Ländern ausgingen, die die Meister-Qualifikation nicht kennen, diese Deutschland streitig zu machen. Es habe sich schließlich auch gezeigt, dass in Handwerksbereichen, in denen für die Selbständigkeit der Meister nicht mehr Voraussetzung sei, weniger ausgebildet werde. „Aber nur wer gut ausgebildet ist wie der Meister, kann auch gut ausbilden und Qualität gewährleisten“, stellte der Kammerpräsident fest.
 

Stadträtin Erika Pfreundschuh, die Vorsitzende der Senioren – Union Frankfurt, wies ergänzend darauf hin, dass die rd. 70.000 mittelständischen Betriebe in Hessen ca 340.000 krisensichere Arbeitsplätze böten, was gerade in der Finanzkrise festzustellen war. Auch gehöre die Wertschätzung und Verteidigung der dualen Ausbildung sowie des Meisterbriefs zum Markenzeichen der CDU. War es doch der CDU-Wissenschaftsminister Udo Corts, der eingeführt habe, dass der Meisterbrief zum Hochschulstudium berechtige.

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