Rhein: Zentrale Stelle für Provenienz-Forschung in Hessen

Wissenschaftler starten ab Januar 2015

Staatsminister Boris Rhein MdL
Staatsminister Boris Rhein MdL
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 7. November 2014 - Kunst- und Kulturminister Boris Rhein erklärte heute, dass die Landesregierung eine zentrale Stelle für die Provenienz-Forschung in Hessen einrichten wird.

Ab Januar 2015 recherchieren Wissenschaftler der zentralen Stelle für Provenienz-Forschung gezielt in den musealen Beständen des Landes nach NS-Raubgut. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Wir müssen uns unserer historischen Verantwortung aktiv stellen. Dazu zählt auch die Suche nach NS-Raubgut in unseren landeseigenen Museumsbeständen. Deshalb habe ich beschlossen, eine entsprechende zentrale Stelle in Hessen einzurichten, um die Herkunft unserer Bestände in den Museen systematisch zu erforschen.“

 

Geplant ist zunächst, dass die Wissenschaftler den Forschungsstand der Landesmuseen in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel abgleichen und gemeinsam mit den Museen eine Verdachtsliste von potentiell NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken erstellen. Diese Verdachtsliste bildet die Basis für die weiteren Recherchen der Provenienz-Forscher. Geplant ist, dass sie direkt vor Ort in den Sammlungen und Museumsarchiven ihre Untersuchungen durchführen.
 

„Die transparente Dokumentation der Rechercheergebnisse ist mir besonders wichtig. Diese wird nach derzeitigem Planungsstand standardisierte Angaben zu den Provenienzen in Form von Einzeldossiers zu jedem untersuchten Objekt enthalten. Bestandteil des Dossiers wird auch eine Bewertung der Rechercheergebnisse sein sowie eine Empfehlung zur Restitution. Alle Objekte mit lückenhafter, verdächtiger oder belasteter Provenienz müssen beispielsweise in der ‚Lost Art Datenbank‘ veröffentlicht werden“, sagte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein.
 

Sitz der zentralen Stelle für Provenienz-Forschung ist das Landesmuseum Wiesbaden. Er habe sich ganz bewusst für das Landesmuseum Wiesbaden als Standort entschieden, erklärte der Minister. „In Hessen ist Provenienz-Forschung Chefsache und deshalb ist eine unmittelbare Nähe zum Ministerium nötig“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Die Aufgabe der Wissenschaftler der neuen zentralen Stelle sei es, die jetzt schon vorbildlichen Maßnahmen der Provenienz-Forschung in Hessen nachhaltig zu verstärken und unrechtmäßig entwendete Kunstgegenstände ihren rechtmäßigen Besitzern zurück zu geben.
 

Ein Beispiel für die bisher schon erfolgreiche Forschung nach NS-Raubgut in Hessen, ist die Restitution des Gemäldes „Die Labung“ von Hans von Marées. Das Werk kam durch eine Schenkung in den 80er Jahren ins Landesmuseum Wiesbaden. Intensive Recherchen des Museums ergaben, dass der Verkauf durch seinen jüdischen Besitzer Max Silberberg, während des Nationalsozialismus, verfolgungsbedingt zustande kam. Deshalb war das Gemälde an die Erben von Max Silberberg zurückzugeben. Diese boten, im Anschluss an die Restitution, das Werk dem Museum Wiesbaden zum Kauf an. In einer Spendenaktion sammelte das Museum in den vergangenen sieben Wochen insgesamt rund 200.000 Euro.
 

„Ich danke allen Spendern herzlich, die mit ihrem finanziellen Beitrag den Kauf dieses besonderen Werkes möglich gemacht haben. Es ist beispielhaft, wie unser Landesmuseum dazu beigetragen hat, auf das von den Nationalsozialisten verübte Unrecht aufmerksam zu machen. Nur so können wir deutlich machen, dass wir uns unserer Vergangenheit stellen. Unser Ziel ist es, das geschehene Unrecht aktiv aufzuarbeiten. Deshalb wird in den Provenienzangaben zu Hans von Marées‘ Gemälde auch künftig stets auf dessen Herkunft aus der Sammlung Max Silberberg, die Restitution und den anschließenden Ankauf durch das Museum Wiesbaden verwiesen“, erklärte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

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