Boddenberg: Ergebnisse der NORAH-Studie sind aufschlussreich und versachlichen Diskussion

„Weitere Maßnahmen zur Lärmreduzierung sind notwendig und geboten"

Michael Boddenberg MdL, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion
Michael Boddenberg MdL, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 28. Oktober 2015 - „Die heute vorgestellten Ergebnisse der noch ausstehenden Teile der „Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health (NORAH)“-Studie sind sehr aufschlussreich und dienen der Versachlichung der Diskussion über die Auswirkungen von Verkehrslärm generell und Fluglärm im Besonderen.

Mit dieser qualitätsgesicherten und bislang weltweit in einmaliger Untersuchungsbreite durchgeführten Studie haben wir nun ein speziell auf die Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet zugeschnittenes Instrument für die weitere Befassung mit der Problematik der Lärmbelastung in einer verkehrsreichen Region. Ich gehe davon aus, dass die Bewertung des wissenschaftlichen Beirats, der der Studie insgesamt ein hohes methodisches Niveau bescheinigt, von allen maßgeblichen Experten geteilt  werden wird.“ Diese Bilanz zog der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Michael Boddenberg, heute in Wiesbaden anlässlich der Präsentation der Studienergebnisse durch das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach (UNH). Die NORAH-Studie war auch auf Basis einer Anhörung im Hessischen Landtag 2010 und eines von der CDU-Fraktion mitgetragenen Beschlusses 2011 begonnen worden, um eine gesicherte Grundlage zur Beurteilung der Auswirkungen von Verkehrslärm im Rhein-Main-Gebiet zu schaffen. Vorgestellt wurden die noch ausstehenden Ergebnisse der zwei Teilmodule „Belästigung“ und „Gesundheit“.

Das Teilmodul 1 „Wirkungen von Verkehrslärm auf die Lärmbelästigung und Lebensqualität der Wohnbevölkerung“ habe teilweise bestätigt, was sich bereits bei Diskussionen über verschiedene große Verkehrsinfrastrukturprojekte in der Vergangenheit gezeigt habe: „Auch bei gleichbleibenden Fluglärmpegeln hat das Belästigungsempfinden der Bevölkerung allgemein zugenommen. So war der Anteil der sich als „hochbelästigt“ einstufenden Personen erwartungsgemäß in Frankfurt höher als an verschiedenen Vergleichsflughäfen. Dies lässt sich einerseits durch  individuelles Lärmempfinden, andererseits aber auch durch die Verbindung von Änderungserwartungen und tatsächlichen Belastungsänderungen bei Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn 2011 erklären. Was verwundert ist, dass sich gleichzeitig steigende Werte auch am Flughafen Stuttgart ausmachen lassen, der nur relativ wenige Flugbewegungen verzeichnet und über ein Nachtflugverbot zwischen 0 und 6 Uhr verfügt. Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist auch, dass neben der Belästigung durch Fluglärm der Schienen- und Straßenlärm nur unwesentlich besser abschneidet. Erfreulich ist, dass die Einführung eines Nachtflugverbotes in Frankfurt offensichtlich eine positive Wirkung auf die Schlafqualität der Anwohnerinnen und Anwohner hat, erläuterte Boddenberg.

Von großer Bedeutung seien auch die Resultate des Teilmoduls 2 „Gesundheit“. Boddenberg hob hervor: „Anders als verschiedene Publikationen in der Vergangenheit, stellt die NORAH-Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Fluglärmbelastung einerseits und dem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko andererseits fest. Hier war jedoch der Zusammenhang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Straßen- oder Schienenverkehrslärm deutlicher ausgeprägt. Vergleichbares gilt – mit Ausnahme des Schienenverkehrslärms – auch für die Auswirkungen auf die Höhe des Blutdrucks.“

Bereits im vergangenen Jahr wurden die Ergebnisse des Teilmodules 3 „Kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Kindern“ vorgestellt. Hier konnte ein im Vergleich zu anderen Einflussfaktoren geringer, aber statistisch nachweisbarer Einfluss von Fluglärm im Gesamtlesetest bei Grundschülern der 2. Klasse des Fluglärms festgestellt werden. Die Studie haben gleichzeitig keine signifikanten Auswirkungen von Fluglärm auf sprachliche Vorläuferfähigkeit (z. B. die Sprachwahrnehmung) feststellen können: „Auch hier hat die Landesregierung bereits gehandelt und Anfang des Jahres den betroffenen Schulen eine bevorzugte Aufnahme in das Leseförderprogramm des Landes zur Stärkung der Lesekompetenz sowie Vor-Ort-Beratungen zu Maßnahmen des passiven Schallschutzes angeboten.“ Hier sei auch allgemein eine Ausweitung der Fördermöglichkeiten für diese Maßnahmen erfolgt.

„Wir nehmen die vom Fluglärm ausgehenden Belastungen für das Rhein-Main-Gebiet weiterhin sehr ernst. Unabhängig der Studie bleibt es nach wie vor geboten und notwendig, die bereits ergriffenen Maßnahmen des aktiven und passiven Schallschutzes, z. B. die Fluglärmpausen oder die Erhöhung der lärmabhängigen Start- und Landeentgelte, im Rhein-Main-Gebiet konsequent fortzuentwickeln, um alles technisch Mögliche und ökonomisch Vertretbare für eine weitere Fluglärmreduzierung zu tun. Insbesondere die Einführung der Lärmpausen, die  u.a. in weiten Teilen Offenbachs und des Frankfurter Südens spürbare Entlastungen gebracht haben, ist Beleg für die konsequente Arbeit von CDU und Grünen bei der Verminderung von Fluglärm“, so Boddenberg.

Insgesamt sollte der Bund die Ergebnisse zum Anlass nehmen, Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Schutzes vor Straßen- und Schienenverkehrslärm in Teilen neu zu prüfen. Mit dem Ziel der Großen Koalition, den Lärm deutschlandweit um die Hälfte zu verringern, ist hierzu ein wichtiger Beitrag geleistet worden. Gleiches gilt für die bereits erfolgte Abschaffung des sog. „Schienenbonus“ von 5 dB(A) für Neubaustrecken, dem „Lärmsanierungsprogramm“ für die Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an Bestandsstrecken und das lärmabhängige Trassenpreissystem (laTPS)“, sagte Boddenberg.

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