CDU-Bildungspolitiker Wiesmann und Steinhardt fordern: „Eine Gesamtstrategie für Frankfurter Schulen muss her! Wir brauchen eine extern ermittelte Planungsgrundlage, 105 Prozent Schulplätze in allen Schulformen, nicht nur an Gymnasium oder den IGS

Bettina M. Wiesmann MdL, CDU-Direktkandidatin für den Bundestagwahlkreis 183 (Frankfurt II)
Bettina M. Wiesmann MdL, CDU-Direktkandidatin für den Bundestagwahlkreis 183 (Frankfurt II)
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 02. September 2017 - Zur vorgestrigen Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung über die Teilfortschreibung des Schulentwicklungsplans (SEP) nehmen die CDU-Landtagsabgeordnete Bettina M. Wiesmann und die Vorsitzende des Fachausschusses Bildung der Frankfurter CDU, Sara Steinhardt, wie folgt Stellung:

 "Der Beschluss des Stadtparlaments zur Fortschreibung des SEP ist ein begrüßenswerter Schritt, denn die seit Jahren zunehmenden Schwierigkeiten, die Frankfurter Viertklässler an die Schulen ihrer Wahl zu bringen, müssen endlich überwunden werden. Wir befürchten allerdings, dass dieser Schritt nicht ausreichen wird, um dauerhaft Abhilfe zu schaffen – aus folgenden Gründen:

Frankfurt verfügt über ein vielfältiges Angebot guter weiterführender Schulen, dessen Funktionsfähigkeit nur gewahrt ist, wenn die Atmungsfähigkeit des Systems wiederhergestellt wird. Denn es geht nicht nur darum, jedem Kind einen Schulplatz im gewählten Bildungsgang zu geben. Kinder sind verschieden; in Frankfurt besteht die Chance, sie nach ihren Begabungen und Neigungen an Schulen verschiedener Formen, Prägungen und Profile auf ihrem weiteren Weg nach diesen individuellen Gegebenheiten zu fördern. Diese Chancen müssen wieder allen Kindern grundsätzlich offenstehen, einschließlich der Möglichkeit, für die Klasse 5 getroffene Entscheidungen nach den Erfahrungen der Folgejahre ggf. zu korrigieren. Denn nur so funktioniert unser durchlässiges Schulsystem im Interesse der Schülerinnen und Schüler.

Dabei muss gewürdigt werden, dass das starke Wachstum der Frankfurter Bevölkerung, bedingt durch hohen Zuzug aus anderen Ländern und den Flüchtlingszustrom der letzten beiden Jahre, in seinem Ausmaß nicht absehbar war. Nun schon seit mehreren Jahren mobilisiert die Stadtpolitik enorme Mittel für den Schulbau und hat nun insgesamt 14 Schulgründungen auf den Weg gebracht - sechs Grundschulen, vier Gesamtschulen und vier Gymnasien. Zudem stellt die Gründung des neuen Amts für Bildung und Immobilien die Weichen für die gebotene Beschleunigung und Effektivitätssteigerung in Sachen Schulneubau und Schulbaumanagement. Dies ist anzuerkennen, reicht aber nicht aus. 

Insbesondere die Realisierung der nun im Schulentwicklungsplan vorgesehenen Schulneubauten wird zu lange dauern. Auch sind absehbare Kapazitätsverluste an bestehenden Schulen, z.B. die mehrheitlich beschlossene Rückkehr der Frankfurter Gymnasien von G8 zu G9 oder die Absenkung der Klassengrößen an IGSen mit vollständiger Binnendifferenzierung, in den Planungen zu berücksichtigen. Vor allem aber ist ein Ende des Wachstums durch Zuzug nach Frankfurt nicht absehbar, mit der Folge weiter steigenden Bedarfs an Schulplätzen für Seiteneinsteiger aller Altersstufen.

Vor diesem Hintergrund braucht es unseres Erachtens eine umfassende zusätzliche Anstrengung mit folgenden Eckpunkten: 

1.  Schaffung einer verlässlichen Zahlengrundlage für den Gesamtbedarf an Frankfurter Schulplätzen nach Bildungsgängen bis 2030 in verschiedenen Szenarien, einschl. eines Korridors für weiteren unvorhergesehenen Zuzug; auf dieser Basis dann Abgleich mit den verfügbaren Plätzen unter Berücksichtigung der absehbaren Systemveränderungen an Gymnasien und IGSen, absehbarer oder gewünschter Entwicklungen an Ersatzschulen und noch bestehender Erweiterungspotenziale an bestehenden Schulen. Wenn das Stadtschulamt mit der Erarbeitung dieser Planungsgrundlage überfordert ist, muss sie notfalls extern beauftragt werden. Weiterer Verzug kann nicht hingenommen werden.

2.  Anpassung der Gesamtplanung mit dem Ziel, die voraussichtliche Schülerzahlentwicklung binnen weniger Jahre mindestens zu 105% abzudecken, um die Atmungsfähigkeit des Systems wiederherzustellen. Die Schulwahl der Eltern nach Empfehlung und Neigung anstelle von nur taktischen Erwägungen muss wieder möglich sein, ebenso müssen Schulwahlentscheidungen in den Folgejahren im Interesse des Kindeswohls auch korrigiert werden können. Das Platzangebot muss ausgewogen zwischen dem gymnasialen und nichtgymnasialen Bereich sein und berücksichtigen, dass Realschulen und Haupt-und Realschulen unersetzliche Beiträge zur Erlangung der Ausbildungsfähigkeit unserer Jugendlichen leisten. Besonders die reinen Realschulen sind auszubauen und Haupt- und Realschulen in der Form „weiterentwickelter Mittelstufenschulen“, wie jetzt in Fechenheim angestrebt, zu berücksichtigen.

3. Bereits für das kommende Schuljahr soll ein proaktiver und systematischer Abgleich mit den Entwicklungen in angrenzenden Schulträgerbezirken eingerichtet werden, um dortige Platzpotenziale nutzen zu können – ggf. gegen einen erhöhten Gastschulbeitrag oder andere Gegenleistungen, z.B. die Berücksichtigung von Geschwisterkindern an Frankfurter Schulen.

4. Anmietung und Herrichtung leerstehenden Büroraums zur provisorischen Unterbringung neuer Schulen oder Schuldependancen für einen begrenzten Zeitraum, z.B. 3-4 Jahre.  Prüfung, ob ehemalige Schulbauten oder ehemalige öffentliche Funktionsbauten ebenfalls für diese Übergangszeit genutzt werden können.

5. Einrichtung eines stadtweiten Netzes zur Schulbusbeförderung für die Übergangszeit, ausgelegt auf die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5, 6 und 7, die einen Schulweg von über 30 Minuten haben. Dies stellt ein sicheres und stressfreies Ankommen ohne Umsteigen an der neuen Schule gerade für jüngere Kinder sicher. Besonders die infrastrukturell noch wenig erschlossenen Gymnasien Nied und Nord können so gut von Schülern aus dem Stadtgebiet erreicht werden.

Atmungsfähigkeit und Verlässlichkeit sind die wichtigsten Ziele, die es bei der Frankfurter Schulentwicklung für die kommenden Jahre zu erreichen gilt. Wir haben ein leistungsfähiges, vielfältiges Schulsystem in Frankfurt, das mit den Herausforderungen der attraktiven und daher wachsenden Stadt fertig werden und dabei Bildung und Ausbildung in hoher Qualität ermöglichen kann. Dafür aber müssen jetzt die Weichen gestellt und die bisher beschlossenen Maßnahmen in eine umfassende und nüchtern durchkalkulierte Gesamtstrategie eingebettet werden", schlossen die Bildungspolitikerinnen.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben