Dürbeck: Symbol für 70 Jahre freiheitlich-demokratische Geschichte

CDU-Fraktion will Frankfurter Paulskirche bei ihrer Sanierung als Zeugnis der deutschen Nachkriegsgeschichte erhalten

Dr. Thomas Dürbeck, Stadtverordneter, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Römerfraktion
Dr. Thomas Dürbeck, Stadtverordneter, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Römerfraktion
Frankfurt am Main, 08. Juni 2018 - Die CDU-Fraktion im Römer hat einen Beschluss gefasst, die Paulskirche in ihrer jetzigen schlichten Ausstattung und Erscheinungsform als ein Zeugnis der Wiederaufbauzeit nach einem von Deutschen verursachten Krieg, aber auch als ein geschichtliches Symbol für mehr als 70 Jahre freiheitlich-parlamentarische Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland zu erhalten. 

„Eine historisierende Sanierung der Paulskirche lehnen wir ab und geben einer Lösung den Vorzug, die die äußere und innere Gestalt und das Erscheinungsbild der Paulskirche respektiert, das bei ihrem Wiederaufbau 1948 gewählt wurde“, sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dr. Thomas Dürbeck.

Als erste Fraktion im Römer legt sich die CDU damit fest, in welcher Form eine Instandsetzung der äußerlich wie im inneren sanierungsbedürftigen Paulskirche aussehen soll. Die Union macht zudem Druck, mit Planung und Ausführung zügig zu beginnen, um die Paulskirche rechtzeitig 2023 für die Feiern zum 175-jährigen Jubiläum der Deutschen Nationalversammlung „als Schmuckstein der deutschen Demokratiegeschichte“, so Dürbeck, wiedereröffnen zu können. „Der nur als höchsten Kraftakt von Stadt und Bürgertum zu bezeichnende Wiederaufbau der ausgebrannten Paulskirche zum 100. Jahrestag der Deutschen Nationalversammlung wirkte wie ein Ferment für den demokratischen Neubeginn nach 1945. Das Ergebnis ist eine gewisse bauliche Schlichtheit, aber diese Schlichtheit ist der Zeit geschuldet und hat unseren Respekt verdient“, ist Dürbeck der Auffassung, dass es damals richtig war, bewusst einen anderen Weg zu wählen, nämlich den des Wiederaufbaus ohne eine detailversessene, stilechte Rekonstruktion.

Historische Reste der 1944 total zerstörten Paulskirche seien ohnehin nicht mehr vorhanden.

„Vom Innenausbau und seiner Ausstattung, den die Abgeordneten der Nationalversammlung von 1848 gesehen haben, ist nur noch das nationalallegorische Gemälde der ‚Germania‘ von Städeldirektor Philipp Veit erhalten, das sich seit 1867 im Bestand des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg befindet. Alle anderen Ausstattungselemente wurden im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört“, gibt der Stadtverordnete zu bedenken.

Die CDU-Fraktion wird weiterhin beantragen, der geschichtlichen Bedeutung der Paulskirche, vor allen Dingen als Sitz des ersten deutschen Parlaments, durch eine zeitgemäße, mehrsprachige, multimediale und innovative museumsdidaktische Ausstellung Rechnung zu tragen, die entweder im Wandelsaal im Erdgeschoss der Paulskirche oder im Erdgeschoss des benachbarten Kämmerei-Gebäudes Paulsplatz 9 gezeigt würde. „Die Gegner einer offenen, freien Gesellschaft sind leider wieder auf dem Vormarsch. Eine Ausstellung über die Frankfurter Paulskirche als ‚Wiege der Demokratie‘ kann wertvolle historisch-politische Bildung zur Schulung guter Demokraten leisten. Die schauerlichen Ruinen der Paulskirche, die den älteren unter uns noch vor Augen stehen, mahnen uns, aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen und unser Handeln auf eine friedliche Zukunft in einem geeinten Europa auszurichten“, erklärt Dürbeck.

Auch aus diesen europapolitischen Gründen werde die CDU-Fraktion deshalb zusätzlich beantragen, anlässlich des Paulskirchenjubiläums und der bis dahin erfolgten Aufwertung der Dauerausstellung, die Bedeutung der Versammlungsstätte durch eine Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel 2025 hervorzuheben. „Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel werden Kulturdenkmale und Gedenkstätten ausgezeichnet, die die europäische Einigung, die gemeinsamen Werte sowie die Geschichte und Kultur der EU symbolisieren. Wir eröffnen mit der Teilnahme am Auswahlverfahren, das 2023 beginnt, die Möglichkeit, durch gezielte Programme jungen Menschen aus ganz Europa deutsch-europäische Geschichte und die Stadt Frankfurt näherzubringen. Das wäre ein großartiger Abschluss für das Jubiläum 175 Jahre Paulskirchenversammlung, das wir zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern in Frankfurt zu einem ‚Fest der Demokratie‘ gestalten werden.

Und wir können dieses Fest dann ganz im Geiste des damals populären, strikten Demokraten Robert Blum begehen, der im Juli 1848 in der Frankfurter Nationalversammlung seine Stimme für das ‚Ziel einer Verbrüderung des freigewordenen oder freiwerdenden Westens‘ erhob: ‚Ich scheue den Spott nicht, bei der Wiederholung der Nothwendigkeit dieser Verbrüderung, ich scheue ihn nicht, weil ich weiß, daß ich einem Gedanken diene, auf dem die Zukunft, auf dem das Glück Europas beruhen wird‘.“ 

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