Fachausschuss Wirtschaft besucht Sanofi-Aventis auf dem Werksgelände der Infraserv

Frankfurt am Main, 16. juli 2018 - Der Fachausschuss Wirtschaft besuchte mit 19 Mitgliedern am 4. Juli 2018 das französisch deutsche Unternehmen Sanofi-Aventis und wurde von dem Vizepräsidenten Gesundheitspolitik und Marktzugang, Dr.med. Matthias Suermondt, sehr freundlich begrüßt.

Er gab dem Fachausschuss einen guten Überblick über die Aktivitäten des Unternehmens am Standort Frankfurt. Außerdem standen Dr. Knollmeyer und Ralph Hug dem Fachausschuss für Fragen zur Verfügung.

Dr. Suermondt stellte zunächst die weitverzweigte Firmengeschichte der Sanofi- Aventis vor, sodann die Geschäftsaktivitäten in Deutschland, Europa und in den USA. 70 % des Umsatzes generiert Sanofi- Aventis  mit Generika, also Pharmaka mit abgelaufenen Patenten. Am Standort Höchst liefen zur Zeit 70 Forschungsprojekte im Bereich Onkologie, Immunologie und atopische Erkrankungen wie Asthma in den Phasen 1, 20 Projekte, in der Phase 2, 28 Projekte, und in der Phase 3, 22 Projekte. Erfahrungsgemäß kommen nur 10 % der Projekte also 7 Projekte erfolgreich zum Abschluss. Die Entwicklung neuer Pharmaka dauere im Schnitt 10 Jahre und der Patenschutz dieser Pharmaka dauere ebenfalls 10 Jahre, eine relativ kurze Zeit, um Forschungsinvestitionen von bis zu 1 Milliarden Euro wieder einzuspielen. Ein besonderer Schwerpunkt der Pharmaherstellung von Sanofi -Aventis ist nach wie vor die Herstellung von Insulin. 1,3 Millionen Patienten würden allein aus dem Produktionsstandort Höchst versorgt. Außerdem würden am Standort 3,4 Millionen Impfdosen gegen Tetamus, Hepatitis und Influenza produziert. Die größte medizinische Herausforderung sei nach wie vor die Bekämpfung des Krebs, aber auch die fortschreitende Anstieg von Demenzerkrankungen und Alzheimer rücke im mehr in den Fokus der Forschungen.

Aus dem Fachausschuss konnten Fragen während des Vortrages gestellt werden. So wollte ein Teilnehmer wissen, wie die Preise für Medikamente festgelegt werden. Dr. Suermondt erklärte, dass bei der Preisbildung auch eine Rolle spiele, welchen Fortschritt das Medikament für den Patienten bedeutet. Bei seltenen Erkrankungen, die z. B. nur 40 Patienten hätten, wäre der Preis entsprechend hoch. Im Durchschnitt gibt jeder Patient 70,00 Euro für Medikamente im Jahr aus. Das zeige, dass die Preisbildung meistens funktioniere und akzeptiert sei. Natürlicherweise gebe es immer einen Interessenkonflikt zwischen der Pharmaindustrie und den Versicherungen und den Versicherten. Daher müsse oft eine Schiedsstelle über den Preis entscheiden. Gäbe es dann keine Einigung, werde das Medikament nicht auf den Markt gebracht. Dies sei in 30 Fällen in letzter Zeit der Fall gewesen.

In der weiteren Präsentation wurde der Standort Frankfurt Höchst vorgestellt. Am Standort arbeiten 7.594 Arbeitnehmer. In Berlin gebe es eine Vertriebsgesellschaft. Außerdem gibt es weitere Standorte in Neu-Isenburg,  Gernsheim und Köln. Der Umsatz im Inland betrage 976 Mio. Euro, die gezahlten Steuern und Abgaben 780 Mio. Euro, Investitionen werden im Schnitt in Höhe von 200 Mio. Euro getätigt und 107 Mio. Euro an Sozialabgaben gezahlt. Dies zeige die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der Sanofi-Aventis am Standort Frankfurt. Jedes Jahr werden 3.000 Tonnen Wirkstoffe aus 90.000 Tonnen Rohstoffen hergestellt. Ein besonderes Anliegen von Sanofi -Aventis ist die Verteilung der Forschungsförderung zwischen öffentlichen und privaten Institutionen. Daher suche Sanofi-Aventis die gezielte Kooperation mit Start Ups, Forschungsinstitutionen, um mittelbar  auch von der Forschungsförderung zu profitieren. Die Forschungsförderung in Frankreich und in den Niederlanden sei für die Pharmaindustrie vorteilhafter. Hier werden nicht nur Forschungskosten, sondern auch Personalkosten bezuschusst. Nach Dr. Suermondt gehe zu viel Geld zu der Helmholzgesellschaft und die Frauenhofer Institute. Hauptgrund sei die getrennte Zuständigkeit der Ministerien. Das Forschungsministerium fördere die Forschungsinstitute und das Wirtschaftsministerium sei für die forschenden Unternehmen zuständig. Eine Forschungsförderung aus einer Hand wäre für alle besser.

Schließlich gab Dr. Suermondt einen Ausblick auf die Zukunft.  Sanofi -Aventis will in Zukunft Gesundheitslösungen nach den 4 D’s:  Data, Diagnosis, Device (Pen oder Pumpe) und Drug (Arzneimittel )anbieten.  Beispielweise könne Sanofi-Aventis eine künstliche Bauchspeicheldrüse herstellen.

Zum Ende des Vortrages gab Dr. Suermondt einen Überblick über die Kostenanteile im Gesundheitssystem. 16 % würde für Arzneimittel, 33 % für Krankenhausbehandlungen und 17 % für ärztliche Versorgung. Die Arneimittelkosten entstünden in einem überschaubaren Umfang.  Die mit Abstand höchsten Kosten entstünden dagegen bei den Krankenhäusern. Um das Gesundheitssystem effizienter und kostengünstiger zu machen, forderte Dr. Suermondt eine Krankenhausreform. Vorbild hierfür wäre Dänemark. Dänemark sei von 100 Krankenhäusern auf 28 spezialisierte Kliniken heruntergegangen und habe damit eine Qualitätssteigerung und eine Kostenreduktion beachtlichen Umfanges bewirkt. Der momentan heiß diskutierte Pflegenotstand könnte durch eine Effizienzsteigerung bei den Krankenhäusern ebenfalls aufgelöst werden.

Ganz am Ende nannte Sanofi-Aventis vier große Themenbereiche, bei denen sie die Unterstützung der Öffentlichkeit und auch der Politik suchen: Bei der steuerlichen Forschungsförderung, beim Marktzugang, bei den Kooperationsmodellen und bei Digital Health. Während und nach dem Vortrag konnten Fragen gestellt werden und es fand ein interessanter Austausch statt. Der Fachausschussvorsitzende, Christoph Fay, bedankte sich für die erkenntnisreiche Veranstaltung und sagte Unterstützung bei den Vorhaben der Sanofi -Aventis am Standort Frankfurt zu.

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