Pfreundschuh: Pränataldiagnostik betrifft in letzter Konsequenz auch Menschen im Alter

Erika Pfreundschuh, Vorsitzende der Frankfurter Senioren-Union
Erika Pfreundschuh, Vorsitzende der Frankfurter Senioren-Union

Frankfurt am Main, 14. Mai 2019. Sollen Bluttests in der vorgeburtlichen Diagnostik von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezahlt werden? 

Dies ist bisher nicht der Fall. Bezahlt wird eine nicht risikofreie Methode, bei der der Schwangeren mit einem Einstich Fruchtwasser aus der Gebärmutter entnommen wird. Dabei kann es zu einer Fehlgeburt kommen. Der Bluttest geschieht dagegen mit dem mütterlichen Blut und ist ohne jede Gefahr für das nicht geborene Kind und weniger belastend für die Schwangere. Bisher muss dieser Test privat bezahlt werden. Bei einer auf hohem Niveau geführten Diskussion am 11. April 2019 im Deutschen Bundestag war die Möglichkeit des Bluttests quer durch die Parteien umstritten. Im Mittelpunkt stand dabei weniger, ob der Bluttest eine Krankenkassenleistung sein solle. Dafür gäbe es im Deutschen Bundestag sicher eine große Mehrheit. Aber das hat der Bundestag nicht zu entscheiden, sondern der „Gemeinsame Bundesausschuss“, in dem die vier Selbstverwaltungsorganisationen von Leistungserbringern (Ärzte und  Krankenhäuser) und Krankenkassen (gesetzliche und private) vertreten sind.

Die Diskussion im Bundestag behandelte das Thema grundsätzlich: Wohin führt die vorgeburtliche Diagnostik? Sie dient nur in wenigen Fällen der Therapie eines erkrankten ungeborenen Kindes, sondern vor allem der Feststellung, ob wegen einer Unregelmäßigkeit in den Chromosomen eine Behinderung des Kindes vorgegeben ist. Das gilt vor allem für die Diagnose der Trisomie 21, des Downsyndroms. Die vorgeburtliche Diagnose einer Trisomie 21 führt in Deutschland in rund 90 Prozent der Fälle zum Abbruch der Schwangerschaft, in Dänemark und Frankreich zu 95 und mehr Prozent. Das bedeutet praktisch, dass bald keine Menschen mit Downsyndrom mehr geboren werden und zu erleben sind. Menschen mit Downsydrom sind nicht krank, sondern behindert. Und es war letztlich diese Feststellung, die zur Kontroverse im Deutschen Bundestag führte und zu der Frage, ob eine Behinderung ein Merkmal ist, das die Würde und das Lebensrecht eines Menschen schmälert oder gar ausschließt.

Dazu hat sich nun die Vorsitzende der Frankfurter Senioren-Union der CDU, Erika Pfreundschuh geäußert: „Die Pränataldiagnostik führt unweigerlich zu der Frage, welchen Respekt Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft finden. Stehen sie noch voll und ganz unter dem Schutz des Artikels 2 des Grundgesetzes, das jeder das Recht auf Leben hat?“ Sie verweist auch darauf, dass das „Recht auf Leben“ mit der Würde des Menschen, die nach Artikel 1 Grundgesetz „zu achten und zu schützen“ ist, untrennbar verbunden ist. „Auch Menschen mit Downsyndrom ist Menschenwürde eigen. Wer das bestreitet, hätte einmal am 27. April zum 17. Deutschen Down Sportlerfestival in Frankfurt kommen sollen, um zu erleben, mit welcher Freude und mit welchem Einsatz diese behinderten Menschen Leichtathletik-Wettkämpfe bestreiten oder tanzen und spielen“, erklärte Erika Pfreundschuh, die für die Stadt beim diesjährigen Festival ein Grußwort entrichtet hat.

Nur 4,5 Prozent der Behinderungen sind angeboren, die übrigen durch Unfälle oder durch Erkrankung oder durch hohes Alter erworben. „Wenn Menschen mit Downsyndrom, einer angeborenen Behinderung, Menschenwürde und Lebensrecht abgesprochen wird, ist es nicht weit, dass auch alten Menschen z. B. mit Demenz oder dauernder Pflegebedürftigkeit oder sonstiger Behinderung die Menschenwürde und das Recht auf Leben abgestritten wird.“ Die Folgen der pränatalen Diagnostik, die nicht auf Therapie ziele, seien in der Gesellschaft kaum abzuschätzen. Wenn sie schon jetzt beim Downsyndrom zu über 90 Prozent zum Schwangerschaftsabbruch führten, könne es durch die Gewöhnung daran und mit entsprechenden Argumenten auch dazu kommen, dass für Behinderte nicht mehr die Inklusion Priorität hat, sondern die Selektion, und alte Menschen mit Defiziten an Leib und Seele nicht mehr mit Fürsorge rechnen können, machte Erika Pfreundschuh abschließend deutlich.  

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