Ein generelles Recht auf home office scheitert an den Voraussetzungen

Schwander: Derzeit könnte ein Recht weder allgemein noch technisch ausgeübt werden

Yannick Schwander, Landesvorsitzender der jungen CDA
Yannick Schwander, Landesvorsitzender der jungen CDA
Wiesbaden/Frankfurt am Main, 27. April 2020 - Die junge CDA Hessen reagiert sehr verhalten auf den Vorstoß der Bundesminister Olaf Scholz und Hubertus Heil, ein Recht auf home office für alle Arbeitnehmer in den in Frage kommenden Berufen einzuführen.

Derzeit könne ein solches Recht gar nicht von jedem Arbeitnehmer in Anspruch genommen werden, da dieses an technischen und arbeitsrechtlichen Voraussetzungen scheitert. „Bevor man über einen Rechtsanspruch nachdenkt, sollte man tunlichst an der Infrastruktur arbeiten, die es ermöglicht, dass home office ausgeübt werden kann. Es gibt viel zu viele ungeklärte Fragen, die einem solchen Vorstoß im Wege stehen“, erklärt hierzu der Landesvorsitzende der jungen CDA Hessen, Yannick Schwander.

Die jungen Arbeitnehmer in der hessischen CDU sehen die Möglichkeit, von  zuhause aus zu arbeiten, als einen guten Schritt hin zur Flexibilisierung der Arbeitswelt. Jedoch kann home office nur ein Mosaikstein in einem großen Paket sein, um sich auf den Wandel in der Arbeitswelt einzulassen. „Schon heute scheitert das home office oftmals nicht am Arbeitgeber, sondern vielmehr daran, dass Arbeitnehmer nicht über die entsprechenden Voraussetzungen verfügen. In Teilen ist es das fehlende schnelle Internet, anderswo fehlt ein Büro oder ein Zimmer in den eigenen vier Wänden, das dem Arbeitsschutz gerecht wird. Bevor man über einen Rechtsanspruch auch nur nachdenkt, müssten hier neue Regelungen und der Ausbau des Breitbands vollzogen werden“, führt Schwander weiter aus.

Die Vertreter der jungen CDA halten auch den Zeitpunkt des Vorstoßes für falsch. „Natürlich erleben wir gerade eine Hochzeit für das home office. Aber derzeit sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, welche Maßnahmen für diejenigen getroffen werden, die gerade unser Land am Laufen halten. Denn weder für Angestellte im Medizinwesen, noch für Erzieher, Lehrer, Kassiererinnen und Kassierer oder LKW-Fahrer ist home office möglich. Die Diskussion um ein Recht auf home office ist daher derzeit nicht zielführend“, gibt der Landesvorsitzende zu Bedenken.

Arbeitgeber zeigten derzeit, dass sie home office ermöglichen können und wollen, wenn dies benötigt wird. Daher ist ein Druck auf die Arbeitgeberseite womöglich gar nicht nötig. Man sollte aber auch an die Arbeitnehmer denken, denen im home office einiges fehlen könnte. „Insbesondere der soziale Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen fiele gänzlich weg. Für viele Arbeitnehmer ist dies jedoch enorm wichtig. Im home office entsteht zudem schnell der Eindruck man sei 24 Stunden für sieben Tage der Woche erreichbar. Es muss klare Regelungen zur Arbeitszeit geben, damit Arbeitnehmer nicht negativ von home office betroffen sind und anstatt einer Flexibilisierung der Arbeit ein Mehr an Stress die Folge ist“, ergänzt Schwander.

Die junge CDA Hessen erkennt an, dass home office insbesondere bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sinnvoll sein kann. Ebenfalls könnte home office Pendlerströme verringern und ein Instrument gegen die „Landflucht“ sein sowie Ballungsräume ein stückweit entlasten. Aber die jungen Christdemokraten plädieren dafür, dies in ein Maßnahmenpaket zu fassen. „Von politischer Seite muss der Wandel der Arbeitswelt aktiv begleitet werden. Wir brauchen flächendeckendes Breitband, wir brauchen klare Regelungen zum Datenschutz sowie zur Arbeitszeit und zum Arbeitsschutz, wenn man von zuhause aus arbeitet und wir brauchen eine großzügige Ausweisung von shared workplaces“, fordert die junge CDA Hessen. Insbesondere shared workplaces könnten dazu führen, dass man wohnortnah arbeiten könnte, jedoch nicht nur zuhause wäre und somit auch soziale Kontakte zu anderen Arbeitnehmern hätte. „Die Bundesregierung sowie die Landesregierungen könnten hierbei vorneweg gehen, indem man für seinen eigenen Angestellten solche Gebäude errichtet oder die Errichtung solcher Gebäude entsprechend fördert. Arbeitswelt 2.0 ist nicht nur home office, das kommt beim Vorstoß der beiden Minister deutlich zu kurz“, meint Schwander.

Würde man heute einen Rechtsanspruch auf home office einführen, so sähe man sich womöglich einer Klagewelle gegenüber, da derzeit nicht jeder dieses Recht in Anspruch nehmen könnte. „Home office oder mobile office zu fördern, halten wir für den richtigen Weg. Einen Rechtsanspruch darauf bedarf es in unseren Augen jedoch nicht, zumal dieser derzeit eindeutig an der Realität scheitert“, so Schwander abschließend.

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